Brigitte Reimann Halbportrait
Brigitte Reimann
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Ankunft im Alltag
Cover der Erstausgabe Ankunft im Alltag
Ankunft im Alltag. Verlag Neues Leben. 1961.
„Es ist die Geschichte von drei Oberschülern - einem Mädchen und zwei Jungs -, die ihr praktisches Jahr im Kombinat machen und dabei natürlich eine Menge Schwierigkeiten zu überwinden haben. Klar, daß auch eine Brigade mitspielt, und ich möchte 'meine' Schweißerbrigade als eine Art Modell nehmen Brigitte Reimann über Meister Hanke, Vorbild des Hamann in Ankunft im Alltag Brigitte Reimann hier zusammen mit dem Meister Hanke, der das Vorbild für den Hamann in Ankunft im Alltag gab. Hier passieren wirklich viele spannende Sachen.“
(17.02.1960, Elten-Krause, Elisabeth/ Lewerenz, Walter: Brigitte Reimann in ihren Briefen und Tagebüchern)

Die 1961 im Verlag Neues Leben erschienene Erzählung Ankunft im Alltag erzählt die Geschichte der Abiturienten Nikolaus, Recha und Kurt, die vor ihrem Studium ein Jahr nach Hoyerswerda gehen, um hier aktiv den Aufbau des Kraftwerks Schwarze Pumpe zu erleben. Bald in eine typisch Reimannsche Dreiecksbeziehung verstrickt, versuchen sie sich in unterschiedlicher Weise in ihrer neuen Umgebung zu behaupten.
Die Erzählung galt als Musterbeispiel für die Umsetzung des Bitterfelder Wegs* in der Literatur. Ihr sollten eine ganze Reihe an Romanen und Erzählungen verschiedener Schriftsteller folgen, die sich in ähnlicher Weise mit dem sozialistischen Alltag auseinandersetzten. Diese wurden in Anlehnung an den Titel unter dem Begriff der 'Ankunftsliteratur' zusammengefasst.
Ankunft im Alltag erhielt 1962 den Literaturpreis des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes Brigitte Reimann über die Verleihung des FDGB-Preises für Ankunft im Alltag  Einladung zur Überreichung Herbert Warnke überreicht den Preis der Gewerkschaft für Ankunft im Alltag.
 

„Recha blickte sich um: Der Bahnhof war grau und schäbig und spärlich erleuchtet, dünner Regen stäubte und verwischte die Umrisse der Gebäude. Sie war enttäuscht; sie hatte sich den Eingang zu dieser jungen Stadt anders vorgestellt, großartiger, glänzender.“ (S. 9)

„Sie waren wieder auf der F 97, nahe dem Gasthaus 'Schwarze Pumpe', wo in herbstlichen Gärten längs der Chaussee kleine backsteinerne Bauernhäuser stehen, wunderlicher Gegensatz zu den gewaltigen Industriebauten ringsum.“ (S. 43)


*„Wie auch immer, es waren Defizite zu beklagen, denn was Millionen Menschen in diesem Land ergriff und beschäftigte, herausforderte oder abstieß, was aber jeden einzelnen tagtäglich betraf, fand kaum Entsprechung in den Büchern. (...) Es war die Zeit, da die Partei allen Schriftstellern, auch den arriviertesten, empfahl, am Alltag der Arbeiter und Bauern teilzunehmen. Dieses, wie mir noch heute scheint, vernunftvolle Ansinnen korrespondierte mit einem Ausspruch Bechers, der mich betroffen machte: 'Die wenigsten von uns haben die Phantasie, sich das immense Arbeitspensum vorzustellen, das vom Volke geleistet werden muß, damit es sich Dichter leisten kann.' Was lag also näher, als den Dichtern anzuraten, sich dem Volk zu verbünden und der Literatur auf solche Weise zu größerem Realitätsbezug zu verhelfen. Wir nannten diese Bemühungen damals den 'Bitterfelder Weg'." (S. 6)
(Das Mahahgonimädchen. Vorwort von Helmut Sakowski in der Ausgabe: Reimann, Brigitte: Ankunft im Alltag. Verlag Tribüne. 1986.)
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